Dez 05
Strategischer Konsum, um die Welt noch strategischer zu zerstören?
Manchmal komme ich nicht umhin, richtig ätzend zu sein und die Wahrheit genauso hässlich darzustellen, wie ich sie sehe.
Dafür haben mich ganz viele Leute nicht lieb, und verbannen mich aus ihrem Dunstkreis – weil ich alles “Scheisse finde” und “keinerlei konstruktive Vorschläge” beizusteuern habe.
Nun – aus “Scheisse” lässt sich immerhin noch guter Dünger machen, solange derjenige nicht gegen AIDS, H1N0815 oder Schweissfusskrankheit geimpft ist, das würde ich dann nämlich wirklich “Scheisse” finden.
Aber ich will weniger Fäkalsprache benutzen, vielleicht lesen Kinder mit (ich hoffe doch – oder doch nicht? Sorry Kids, “Erwachsene” sind manchmal komisch, und ich bin froh, dass ich mit meinen 40 Jahren noch nicht erwachsen bin, sondern ein vorlautes und verspieltes Kind, hihi).
So… Da fand ich einen Artikel in TAZ, auf den mich der liebe André Henze hingewiesen hat:
http://www.andre-henze.de/wissenswertes/republica/utopia-watchblog/der-utopistische-pressespiegel.html
Und der Artikel:
http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/der-einkaufswagen-rettet-die-welt-nicht/
Ich habe mich erdreistet, dazu einen Kommentar zu schreiben, den hier hier auch veröffentliche:
“Der Mann hat ja recht, aber…”
Nix Aber!
Ob auf Eurem umweltzerstörenden Waschmittel jetzt ÖKO oder BIO oder OHNE KINDERARBEIT oder sonstwas draufsteht, ist vollkommen irrelevant für die Menschen und die Orte, an denen diese Zerstörung stattfindet.“Natürlich ist es mit strategischem Konsum allein nicht getan…”
Schön, dass Ihr das wisst. Ist Euch auch klar, dass Ihr im Endeffekt UNSEREN Planeten konsumiert? Ihr wollt Autos fahren, die keinen Sprit brauchen, und vergesst dabei, dass die Herstellung mehr Sprit verbraucht, als Ihr im Leben verheizen könnt.
Natürlich ist es lobenswert, die Einstellung, “nicht mehr soviel kaputt zu machen”.
DAS REICHT ABER NICHT! Weil es eben weiter kaputt macht, anstatt NICHT mehr kaputt zu machen.Seid Ihr wirklich so bequem, dass Ihr lieber bis zum Ende eine warme Bude haben und mit dem ÖKO-Auto zum Bioladen fahren wollt?
Wie wäre es, einen dicken Pulli anzuziehen und statt zum Bioladen zum nächsten Bauern zu laufen? Dumm gelaufen für die, die in der Stadt wohnen?
Es geht nicht darum, dass “die, die in der Stadt wohnen, nicht zum Bauern laufen können”, sondern darum, dass wir denen, die nach uns kommen, einen vergifteten Planeten hinterlassen, wenn wir so argumentieren.
“Es gibt aber Leute, das so nicht können.”
Ich kann nicht, ich hab keine Möglichkeit, ich durfte nicht, ich musste arbeiten.Erzählt das bitte den Leuten, die durch Eure Ausreden verhungern. Und deren Familien, die jetzt keinen Ernährer mehr haben.
Was wollt Ihr denen sagen?“Tut mir leid, dass Euer Vater wegen meinem Konsum gestorben ist und Ihr jetzt wohl auch verhungern müsst, aber ich musste doch arbeiten, um meine Versicherungen zu bezahlen, sonst wäre ich doch gekündigt worden.”
Ich bin sicher, dass die VOLLSTES Verständnis dafür haben.
Was IHR denn sonst tun sollt? Wie wär´s mit kündigen? Die Städte verlassen und eine Holzhütte bauen? Oder im Zelt leben? Was? Dafür wären wir zuviele? Tja… Dann wären wir hier in der Tat in der gleichen Situation wie die, auf deren Kosten wir leben. Wie wär´s, wenn Ihr das einfach mal ausprobiert? So zu leben: In Blechhütten. Im Ghetto. Das einzige fliessende Wasser ist die Güllerinne direkt neben Eurer Matratze. Und alle paar Tage kommen die Regierungsschläger und mischen ein paar Leute auf.
DAS ist der Preis, den andere für unseren strategischen Konsum bezahlen.
Aber das will wahrscheinlich keiner hören, oder? Nee, dann lieber zu Utopia und gucken, welche HENKEL-Produkte denn nicht nur weiss, sondern grün waschen.
Also, welche Argumente habt Ihr noch, um das Elend und die Zerstörung dieser Welt vor Euch selbst zu rechtfertigen? Leute – wir haben keine Zeit mehr. Armut und Hunger sind die Pandemien unserer Zeit, und dagegen gibt es keine Impfung.
Sorry, dass ich Euch geweckt habe. Schlaft weiter.
Gruss
Udo
Was soll ich weiter dazu sagen? So stellt sich aus meiner Sicht die ganze Geschichte der Idee von Utopia & Co. dar. Und es stimmt: Ich finde das so richtig SCHEISSE!
Tja…
Natürlich nur hier exklusiv auf Rockrebell.de noch eine Ergänzung dazu.
Wir reden ständig davon, was alles nicht können, dazu zählt eine natürliche Lebensweise. Da kommt das Argument, wie hätten nich genug Platz. Das ist in der Tat ein grosses Problem, aber wir MÜSSEN uns entscheiden.
Leben wir weiter mit sovielen Menschen und warten darauf, dass sich das Problem von selbst löst – indem wir die meisten Menschen später einfach verrecken lassen, weil jeder um sein eigenes ÜBERLEBEN kämpft?
Oder beissen wir jetzt in den sauren Apfel und FREUEN UNS, dass es noch genug saure Äpfel gibt?
Natürlich ist eine komplette Abkehr in kürzester Zeit von dem mordenden und zerstörenden Lebensstil, den wir jetzt führen, eine äusserst unbequeme, schmerzhafte und für viele Menschen wahrscheinlich auch tödliche Sache.
Aber genau das ist die Wahl, vor der wir jetzt stehen – bitte, ICH HABE MIR DAS NICHT AUSGESUCHT! Das waren wir alle!
Und nochmal: Wir haben JETZT die Wahl, entweder JETZT in den sauren Apfel zu beissen, oder uns später um die letzten VERFAULTEN Äpfel zu bekriegen. Und es wird nicht früher. Es wird immer später. Was werden wir tun? Was werdet IHR tun?
Was tue ich? Ich lerne. Von und MIT der Natur zu leben, Wurzeln zu finden, Gräser zu sammeln, Nahrung zu finden. Ohne Auto. Ohne Internet. Ich kann. Vorher dachte ich auch: Ich kann nicht.
Und?
ICH KONNTE! Und Ihr könnt auch. Wenn Ihr nur wolltet.
Ihr habt dir Wahl: Ihr könnt jetzt wollen, oder später M Ü S S E N.
Und diese Wahl findet nicht im Wahllokal statt…

Dezember 5th, 2009 at 13:41
Hallo rockrebell – ich weiß gar nicht, warum Du so sehr auf Utopia herumprügeln musst, lässt ? Sicher, ich kann Deine Wut und Verzweifelung um den Zustand unseres Planeten verstehen und fühlen. Mir geht es durchaus ähnlich. Aber: Deine Sprache findet bei etlichen Menschen eine Ablehnung weil sie Angst vor so einem abrupten Wechsel haben. Stell Dir Utopia doch einfach als 1. Stufe für Menschen vor, die gerade einsteigen in die Thematik. Vielleicht ist dann die nächste Stufe “Konsumeinschränkung” (z.B. durch hohe Qualität und Langlebigkeit) – wiederum die nächste Stufe weitgehender “Konsumverzicht” und suche nach neuen Werten. Gib den Leute doch die Chance. Wer wie (oben gelesen) die oben beschriebenen Autoren eher nur Hetze betreibt, ist doch auch nicht wirklich ein Changemaker sondern auch nur ein Proverlierer, t´schuldigung Profilierer. Johann
Ciao – bis später – Johann
Dezember 5th, 2009 at 13:45
rechtsheibfeler waren Absicht (-:
Dezember 7th, 2009 at 13:44
“Schuldig im Sinne Anklage”.
Schuldig des Ausspuckens von Wahrheiten.
Nein, ich bin kein Diplomat. Blumen esse ich lieber, als dass ich sie in Worte flechte, wenn meine Wahrheit mit solcher Gewalt nach draussen drängt, dass aussprechen nicht mehr möglich ist.
Bevor ich daran ersticke, spucke ich sie lieber aus – wer sich davon getroffen fühlt, darf gerne zurückspucken, sollte sich aber bewusst sein, dass meine Spucke klebt. Ich ziele nicht dabei.
Schuldig, den Menschen oftmals die Wahrheit auf den Tisch zu knallen, anstatt sie wie einen bequemen Mantel hinzuhalten, in den sie hineinschlüpfen können.
Schuldig, den Menschen ungeschönt meine Meinung zu sagen, ohne Rücksicht auf Verluste, Sch(m)erz und Tränen.
Und auch schuldig des billigen Populismus.
Die fiesen Texte aus meiner Stahlfeder finden nunmal Anklang, und wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung.
In lauten Zeiten wie diesen
hört kaum wer das Flüstern der Wiesen
stattdessen knirscht der Beton
mit durchdringend hässlichem Ton
und ich fühl´ mich genötigt, zu brüllen
die Luft um Stadt mit Posaunen zu füllen
auf dass die Mauern erbeben vor meinem Zorn
stoss ich mit aller Kraft in mein Horn
bis die Mauern zerbröseln, bis dass es staubt
und den Mauerbauern den Atem raubt
ich höre erst auf, bis kein Stein auf dem andren
und schwöre, ich werde erst dann weiterwandern
bis keiner mehr Mauern aus Beton bauen kann
und sich dahinter versteckt, um dann
die Hände zu reichen, ohne Zwang oder Hast
und jeden, der nach meinen Händen fasst
dorthin zu führen, wo die Wälder noch tief
und geweckt wird, was vorher noch in uns schlief
angstvoll versteckt hinter der städtischen Mauer.
Die Zeit rennt davon. DESHALB bin ich sauer!
Doch ich will mein Gedicht mit Freundschaft schliessen
und nicht noch mehr Erdöl ins Atomfeuer giessen
Ich kann Dir nur sagen, dass das, was ich sehe
Mir Schmerzen verursacht, komm ich in die Nähe
Und wenn Lieben bedeutet, auch der Buhmann zu sein:
Um der Erde Willen! schlüpf ich auch
in diese
mir unbequeme Rolle
hinein.
Ich plädiere auf Freispruch.
Dezember 9th, 2009 at 21:23
Realistisch betrachtet hat Udo die grösseren Chancen, nach einer möglichen Klimakatastrophe zu überleben als die, die dann immer noch strategischen Konsum hochhalten. Soweit ich weiss, nimmt die Natur keine EC-Karten.
Dezember 9th, 2009 at 21:26
“Soweit ich weiss, nimmt die Natur keine EC-Karten.”
Lernst Du etwa Humor, Harry? Du verbringst zuviel Zeit mit mir